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Interviews

Billy Talent: "II"...wie damals Led Zeppelin

Dienstag, 13. Juni 2006: Sie waren der Senkrechtstarter 2003! Billy Talent aus Ontario, Kanada haben mit ihrem Debüt eingeschlagen wie eine Bombe. Aus dem Nichts schufen sie sich einen eigenen Stil aus Screamo, Rock und Skatepunk und eroberten die Szene innerhalb kürzester Zeit. 3 später steht nun der Nachfolger im Regal und setzt wieder neue Maßstabe.  Zum Interview saßen Gitarrist Ian und Bassist Jon bereit.

Könnten wir das Interview in französischer Sprache machen?

Jon: Oh, dann sind wir die falschen für euch.
Ian: Dann müsstest ihr mit Ben reden. Er ist der einzige der etwas spricht. Wir hingegen sprechen es nicht.

Naja, keine Panik, war ja nicht ernst gemeint.

Wieso habt ihr euer zweites Album auch schlicht und einfach nur Billy Talent „II“ genannt.

an: Es ist ja bekanntlich unser zweites Album und wir wollten nicht, dass es anhand eines Titels schon einen bestimmten Eindruck bei dem Hörer erwirkt. Der Titel „II“ ist einfach Unbelassender. Es gibt ja viele Bands, die ihr Album nach einem Song auf der Platte benennen und so gleich ihr komplettes Album vom Inhalt preisgeben. Das wollten wir halt nicht machen, weil es keinen Song gibt, der in dieser Form das Album beschreibt. Da passte es, das Album schlichtweg „II“ zu nennen. Man muss sich schon damit befassen, um einen Eindruck zu kriegen. Und einer unsere Lieblingsbands, Led Zeppelin, haben ihr zweites Album damals auch nur „II“ genannt. (lacht)

Wovon habt ihr euch beim neuen Album inspirieren lassen?

Ian: Textlich gesehen braucht man sich nur umzuschauen und man kriegt genügen Input für neue Songs. Musikalisch betrachtet…. (lacht) Jon…sag was…
Naja, also ich denke, dass wir uns als Band mit dem ersten Album schon gefunden haben und einen eindeutigen Sound definiert haben. Dabei schaut man natürlich, dass man von Album zum Album sich weiterentwickelt und bestimmte Dinge dann auch ausprobiert.

Wo sind die neuen Songs entstanden?

Ian: Die meisten Songs entstehen zu Hause. Auf Tour hat man zwar seine Ideen aber mehr als ein paar Riffs entwickelt man nicht. Dafür ist es meiner Meinung nach viel zu stressig. 2005 haben wir uns halt etwas zurückgezogen und haben ein verhältnismäßig normales Leben, ohne jeglichen Tourstress, gelebt und hatten die Ruhe und Zeit, um die Songs zu schreiben. 

Dieser Erfolg den ihr mir eurem Debüt hattet….Was glaubst du woran es lag, dass ihr so dermaßen durchgestartet seid?

Jon: Wir achten schon darauf gute Musik und gute Shows zu spielen. Die Leute haben es gemerkt, dass wir authentisch sind und haben unsere Qualitäten zu schätzen gewusst. Das sind Faktoren, die in unserem Fall halt dazu geführt haben, dass wir diesen Erfolg mit unserem ersten Album hatten.

Was war ausschlagend, dass „Devil in The Midnight Mass“ die erste Single geworden ist?

Ian: Nach der längeren Pause, die wir gemacht haben, musste ein Song her halten der direkt einschlägt. Wir denken, dass gerade „Devil In The Midnight Mass“ dafür prädestiniert ist. Es steht kein Konzept dahinter, warum jetzt ausgerechnet dieser Song die Single ist, auch nicht von Seiten des Labels. Wir haben den Vorschlag halt gemacht, weil der Song einfach derbe abrockt. Das Label stimmte zu und das ist alles.

Der Song handelt ja von einem sehr ernsten Thema.

Ian: Ja, der Song handelt vom sexuellen Missbrauch eines Priesters an etwa 150 Kinder über die letzten 30 Jahre. Der Fall kam 2002 an die Öffentlichkeit nachdem die Kirche den Priester über die Jahre hinweg geschützt hatte und ihn von Gemeinde zu Gemeinde versetzte. Es ist einer der größten Pädophilien Skandale die wir in Nordamerika hatten.

Aber kein Song gegen die Kirche und der Religion.

Ian: Nein, das auf keinen Fall. Der Mann ist ja ein einzelnes Individuell und das ist ausschlaggebend für den Song gewesen. Nur sollte die Kirche überdenken, wie man mit solchen Situationen besser umgeht, anstatt versuchen es zu verschleiern.

Seid ihr religiös?

Ian: Naja, nicht so richtig.. Unsere Highschoolzeit wurde aber dennoch religiös begleitet, da wir alle auf die Our Lady of Mount Carmel Catholic Secondary School gegangen sind.

Ihr seid ja aus Ontario und da fällt mir als „Christian-Hardcore“ Band gleich Figur Four ein. Wie denkt ihr über solche Bands?

Ian: Ich finde es cool. Sie stehen und sie setzen sich für ihre Einstellung ein. Daran ist nichts auszusetzen und letztendlich nichts Schlimmes.

Uns ist aufgefallen, dass ihr auf eurer Homepage alle Songtexte veröffentlich habt. Es scheint, dass es euch wichtig ist, dass die Texte von den Fans gelesen werden können.

Ian: Ja, dass stimmt. Ich denke, dass jedem die Möglichkeit gegeben werden muss sich unsere Texte auch mal in Ruhe anzuschauen. Schließlich ist das der Grund warum wir Texte schreiben und ich finde, dass die Texte wichtiger sind als die Musik. Und wenn unsere Texte die Leute ansprechen ist es umso besser.

Die Texte sind wichtiger als Musik?

Ian: Naja… ohne die Musik funktioniert die Texte ja auch nicht…(lacht). Letztendlich muss beides stimmen, um einen guten Song zu haben.

Was ist denn euer Fav-Song auf dem neuen Album?

Jon: So eine Meinung ändert sich bei mir eigentlich ständig. Aber momentan ist es „Worker Bees“.
Ian: Nee, frag mich das nicht. Ich will mich da nicht festlegen.

Wenn ihr euch das Album jetzt anhört. Gibt es da noch einiges, was ihr aus jetziger Sicht anders machen würdet?

Ian: Klar. Also ich bin da jemand der jetzt nach Verbesserungen sucht. Eigentlich ist es ja zu spät um jetzt noch was zu ändern. Dennoch achtet man drauf und merkt sich dann gegebenenfalls was man hätte besser machen können um den gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen. Aber so gravierende Fehler sind es nicht, dass ich mich an den Kopf fasse und ich alles in Frage stelle. Es ist so, dass man einen Song verändert hat, um stellt 6 Monate später fest, dass die Änderung doch nix bringt und die alte Version besser sei. Aber es ist eh zu spät.

Wie kommt es, dass ihr euch den Sommer ausgesucht habt, um eurer Album zu veröffentlichen.

Ian: Eigentlich hatten wir schon mit Februar gerechnet, aber aufgrund der Festivals hier in Europa haben wir die Chance nutzen wollen, dass Album während dieser Zeit zu veröffentlichen. Das Hurricane Festival ist eins der wichtigsten Festivals für uns und deshalb wurde auch unsere Tour um dieses Festival gelegt. Dort haben wir ja schon einmal vor 2 Jahren gespielt und es ist einfach großartig.

Ian, du warst als Co-Producer tätig. Was hat dich dazu bewogen?

Ian: Ich hatte halt einige Ideen gehabt, die man als Producer besser umsetzt. Deshalb wollte ich Gavin Brown (Producer des Albums – Anmerk.) unterstützen und ihm meine Ideen so besser nahe zu bringen. Ich hatte halt die Ideen in meinem Kopf, aber an der Umsetzung hapert es bei mir noch. Das Technische ist nicht so ohne und die Zusammenarbeit mit Gavin hat sehr viel Spaß gemacht und es war eine schöne Arbeitzeit.

Jon, wie war Ian als Co-Producer so?

Jon: Er ist ja auch innerhalb der Band der Ideengeber und ohne ihn ist Billy Talent nicht möglich. Mit Ian in einer Band zu sein und mit ihm Musik zu machen ist fantastisch. Er ist ein großartiger Mensch und die Zusammenarbeit mit ihm macht riesig viel Spaß. 

Ian: (lacht) Hey Jon, Danke!

Jon: Und wenn jemand aus der Band auch noch als Producer tätig ist kann es nicht verkehrt sein. Man gibt halt auch nicht so viel aus seiner eigenen Hand.

Woher kam die Idee, dass ihr „Devil In The Midnight Mass“ explizit an Weichnachten zum downloaden frei gabt und „Red Flagg“ am Valentinstag?

Jon: Unser Manager!
Ian: Ja, wir haben unser Management vor zwei Jahren gewechselt und sie haben halt die Idee gehabt, dass man die Songs in Netz stellen sollte um so halt Appetit auf das Album zu machen. Es hat sich in der letzten Zeit bei einigen Bands gezeigt, dass es sinnvoll ist, die Songs ins Netz zu stellen um so dem Hörer einen Eindruck zu geben. Die Verkaufszahlen unterstreichen es dann. Ich denke, dass unser Management da Recht hat, und finde diesen Weg halt auch ganz cool. Und Weihnachten und Valentinstag macht man halt Geschenke und das haben wir damit getan. Und anhand der Resonanz die man erfährt weiß man auch, wie die Leute drauf sind und ob sie den Song mögen oder nicht.

Ben ist auf einem Bild der Organisation Make Poverty History. Unterstützt nur er diese Organisation?

Ian: Nein, wir als Band unterstützen das, jedoch haben sie nur die Frontmänner für diese Kampagne fotografieren (lacht).

Dann unterstützt ihr noch eine Hilfsorganisation namens Kids Help Phone. Was könnt ihr darüber sagen?

Jon: Das ist eine Organisation, bei der Kinder und Jugendliche Rat suchen können. Ob die sie jetzt aus schwierigen Elternhäusern stammen, sexuell missbraucht werden oder sonstige Probleme haben. Bei dieser Organisation kann man sich telefonisch wenden und man hilft und steht ihnen zur Seite. Mit der Single „Nothing To Lose“ der ja über einen Selbstmord eines Teenager handelt, haben wir es so gemacht, das wir pro gespielte Singe bei den kanadischen Radiosender, wir 1 kanadischen Dollar an Kids Help Phone spenden.

Wie wichtig ist es für euch als Band solche Hilfsprojekte zu unterstützen?

Ian: Sehr! Wir unterstützen schon sehr lange die Projekte und wenn man wie wir einen Gewissen Erfolg hat und in der Öffentlichkeit steht, dann sollte man sich für diejenigen einsetzen, die es nicht so gut geht. Wir denken, dass es das Normalste ist, was man tun kann.

Geschrieben von Markus Tils, Sandra Reinartz für smash-mag.com

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Kommentare

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  • 14. Mai 2013 - 19:49
    @nikolaiurbshott nice!
  • 14. Mai 2013 - 18:53
    Hey Canada! We're home from tour and have some shirts left over that we've now added to the Store! t.co/JD1ChSZZs4
  • 14. Mai 2013 - 0:16
    GO @MapleLeafs GO!
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