Billy Talent II

Billy Talent II

Drei Jahre ließen sich die vier Kanadier von Billy Talent Zeit, um am Nachfolger ihres erfolgreichen Debüts zu arbeiten. Schließlich wollte man nicht als Eintagsfliege durch einen zu frühen Release die hohen Erwartungen enttäuschen. Obwohl der zeitliche Abstand anderes vermuten lässt, knüpft auch „Billy Talent II“ durch die charakteristisch hohe Stimme Ben Kowalewicz und den weiterhin zackigen Gitarrenriffs von Ian D’Sa direkt an das erste Album an und erreicht auch fast dessen Hitdichte.

Aber auch nur fast, denn dieses Mal beschränken sich Billy Talent weitaus mehr auf ruhige Lieder und haben kaum diese überraschenden Wutausbrüche, die das erste Album so interessant gemacht haben. Einen fulminanten Auftakt hat „Billy Talent II“ wiederum mit dem Debütalbum gemein. Das für Billy Talent-Niveau überraschend harte „Devil In The Midnight Mass“ überrascht mit aggressiven Riffs und Tempowechseln. Als Thema wählte man mit Kindesmissbrauch ein besonderes heikles und beweist damit Mut. Auch das folgende „Red Flag“ gefällt durch seine hymnenhafte Art. „Worker Bees“ profitiert vor allem durch die pumpende Basslinie von Jon Gallant, welche den Song mit Hilfe von Bens Stimme immer wieder nach vorne preschen lässt.

Mit Liedern wie „Where Is The Line“ fallen jedoch auch klare Schwächen des Albums auf. Wie schon in „The Ex“ vom Vorgänger gerät die Band zu sehr in Richtung des Punks der amerikanischen Westküste, was ihnen alles andere als gut steht. Das Liebeslied „Surrender“ zeigt, dass Billy Talent auch Balladen schreiben können, ohne als peinlich oder kitschig aufzufallen. Das abschließende „Burn The Evidence“ erinnert an „Voices Of Violence“ vom Debüt und besitzt ebenfalls dessen aufsteigende Spannung, bis es dann ruhig zerfällt. Leider fallen, neben ein paar wenigen Ausnahmen, die beschränkte Themenwahl der Lieder auf. Meist ist es Schmerz, Trauer und Liebe, wie man es vom Genre erwartet.

Durch die eher ruhige Stimmung des Albums verliert es leider ein wenig an Power. Die Stärke der Band steckt besonders in schnellen Liedern, in denen Ben durch seine kreischige Stimme den Songs eine ganz eigene Note verleiht. Wer das Debütalbum kennt, vermisst ebenfalls die Frage-Antwort-Gesangseinlagen von Ben und Ian. Durch „Billy Talent II“ zeigen Billy Talent, dass sie alles andere als eine Eintagsfliege sind. Nicht allein durch Bens Stimme distanzieren sie sich von weiteren Genrevertretern, seien sie nun aus dem Emocore-, Hardcore- oder Screamobereich. Zwar erreichen die Lieder nicht die Stärke des Debüts, aber dies war bei dessen Fulminanz auch kaum zu erwarten.

Punkte 7 von 10 www.crazewire.de von Kai Töpel, Viersen

Aktuelle News

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09.01.2012 - 17:21
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